Das Impfzentrum macht Schmerzen
- Peter Hummel

- 7. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Tagen
Das ist noch Blindtext. Nichts aufgearbeitet
Es gibt politische Altlasten, die verschwinden mit der Zeit. Und es gibt solche, die bleiben. Der Augsburger Impfskandal gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Mehr als fünf Jahre sind vergangen, seit bekannt wurde, dass während der Corona-Pandemie Personen bevorzugt geimpft wurden, die nach den damals geltenden Regeln eigentlich noch gar nicht an der Reihe gewesen wären. Die Empörung war gewaltig. Bundesweit berichteten Medien über Augsburg. Die Stadt wurde zum Synonym für eine Affäre, die Vertrauen zerstörte und bis heute Fragen offenlässt.
Juristisch mag vieles aufgearbeitet sein. Politisch ist die Geschichte es nicht.
Denn der eigentliche Schaden bestand nie allein darin, dass einzelne Menschen früher geimpft wurden als andere. Der eigentliche Schaden war ein Verlust an Glaubwürdigkeit. In einer Zeit, in der Millionen Bürger Einschränkungen akzeptierten, auf Kontakte verzichteten und auf ihre Impfung warteten, entstand der Eindruck, dass für manche andere Regeln galten als für den Rest der Bevölkerung.

Genau deshalb wirkt die Affäre bis heute nach.
Und genau deshalb dürfte sie auch dem neuen Oberbürgermeister im Magen liegen.
Nicht, weil er persönlich Verantwortung für die damaligen Vorgänge trägt. Sondern weil politische Skandale selten dort enden, wo die handelnden Personen ihre Ämter verlassen. Sie bleiben an Institutionen haften. An Behörden. An Rathäusern. An Städten.
Wer heute Augsburg außerhalb der Stadtgrenzen erwähnt, erlebt immer noch, dass der Impfskandal als Erstes genannt wird. Nicht die Welterbestadt. Nicht die Renaissance. Nicht die starke Wirtschaft. Sondern eine Affäre aus den Corona-Jahren.
Das ist bitter.
Vor allem aber zeigt es, wie schwer verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen ist.
Der neue Oberbürgermeister hat deshalb eine Aufgabe, die weit über Straßen, Schulen oder Haushaltszahlen hinausgeht. Er muss Vertrauen organisieren. Vertrauen in die Stadtverwaltung. Vertrauen in politische Entscheidungen. Vertrauen in die Fairness staatlichen Handelns.
Das gelingt nicht mit Pressemitteilungen.
Es gelingt nur durch Transparenz.
Die Bürger erwarten heute zu Recht, dass Verwaltung nachvollziehbar handelt. Dass Entscheidungen erklärt werden. Dass Fehler offen benannt werden. Und dass Verantwortlichkeiten nicht hinter Zuständigkeiten verschwinden.
Die Versuchung ist groß, den Impfskandal als Kapitel der Vergangenheit abzuhaken. Schließlich liegen andere Herausforderungen auf dem Tisch: Wohnungsbau, Verkehr, Finanzen, Integration, Klimaanpassung.
Doch politische Glaubwürdigkeit funktioniert nicht wie eine Aktenablage. Was nicht aufgearbeitet wurde, verschwindet nicht automatisch.
Gerade deshalb sollte Augsburg den Mut haben, offensiv mit dieser Geschichte umzugehen. Nicht aus Selbstanklage. Sondern aus Selbstbewusstsein. Eine Stadt wird nicht dadurch stärker, dass sie Fehler verdrängt. Sie wird stärker, wenn sie zeigt, dass sie daraus gelernt hat.
Die entscheidende Frage lautet heute nicht mehr, wer damals auf welcher Liste stand oder wer wann geimpft wurde.
Die entscheidende Frage lautet: Welche Konsequenzen wurden daraus gezogen?
Welche Kontrollmechanismen wurden verbessert? Welche Verfahren verändert? Welche Lehren gezogen?
Darauf erwarten die Bürger Antworten.
Der neue Oberbürgermeister wird die Vergangenheit nicht ändern können. Aber er kann dafür sorgen, dass sie sich nicht wiederholt.
Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Herausforderung seiner Amtszeit: Augsburg muss nicht nur regiert werden. Augsburg muss Vertrauen zurückgewinnen.
Der Impfskandal mag Jahre zurückliegen. Politisch verdaut ist er noch lange nicht.
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